18.06.10 Luxus Whisky
Die Herstellung ist ein langwieriges Prozedere – ein Marathon, kein Sprint. Whisky erfordert Geduld. Diese Erfahrung machte auch Marcel Telser im liechtensteinischen Triesen. Er gehört der vierten Generation einer Liechtensteiner Brennereifamilie an, deren Betrieb erstmals im Jahr 1880 erwähnt wird. Seit den neunziger Jahren brennt er mit seinem Vater. Für ihn ist dies eher eine Freizeitbeschäftigung. Sein Geld verdiene er als Jurist in einem Treuhandgeschäft – «und in der Brennerei gebe ich es wieder aus», lacht Telser.
Lange war Whisky für ihn ein Synonym für Blends, also für verschnittene Whiskys wie Johnnie Walker oder Ballantine’s. Während einer Schottlandreise erlebte Telser eine whiskyspezifische Bewusstseinserweiterung. 2006 begann er damit, in Liechtenstein Whisky zu brennen. Der dortige Markt wurde zeitgleich mit dem schweizerischen liberalisiert. Mit zwei Partnern gründete er eine Vertriebsgesellschaft, die Brennerei blieb im Familienbesitz. Ein neuer Brenner wurde angestellt, der Vater schaut nach wie vor gelegentlich vorbei.
Intensive Reifung
Natürlich habe man sich Gedanken darüber gemacht, ob der Whisky in einem Bourbon- oder einem Sherryfass gelagert werden solle. «Wir knüpften schliesslich an eine Tradition des Rheintals an und nutzen Fässer von Pinot noir, den die Römer einst hierherbrachten.» Deshalb hat der Telsington eine weinige Note. «Pinot at play!», kommentiert Whiskypapst Jim Murray.
Wichtig ist das Wasser
Die Brennerei befindet sich am Hang und wird so mit Quellwasser versorgt; wäre sie ein paar Meter weiter unten, dann wäre dies Pumpwasser. Da das Wetter im Rheintal wechselhaft ist – mal Föhn, mal eisige Kälte –, reift der Whisky intensiver als im klimatisch ausgewogenen Schottland. «Ein dreijähriger Whisky hat bei uns das gefühlte Alter von fünf bis neun Jahren», sagt Telser.
«Wir haben in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit angefangen, sind aber auf gutem Kurs», glaubt er. Mit gerade mal 560 Halbliterflaschen sind die drei 2009 auf den Markt gegangen, das Stück zum stolzen Preis von 290 Franken. Zuerst wollten sie die Flaschen in einen Klotz einbetonieren lassen. Darauf haben sie verzichtet. Nun ist die Flasche in einen Holzkasten eingebaut. Verkauft wird fast nur im kleinen Geschäft in der liechtensteinischen Brennerei und via Internet. Die USA könnten ein Thema werden, auch Malaysia. Die meisten der Schweizer Hersteller vermarkten ihre Whiskys lokal. Der Weg in die Regale von Coop ist sehr weit – und eine Positionierung in breiteren Märkten erfordert grosse Ressourcen für Marketing und Distribution.
31.07.09 Telser Vom Ländle
Einen Whisky aus Schottland hat jeder. Aber aus Liechtenstein? Unter dem
Namen Telsington kommt erstmals ein solcher auf
den Markt. Der in Pinot-noir-Fässern gereifte und in 560 nummerierte Flaschen abgefüllte Whisky hat einen milden, mittelschweren Charakter.
Für 290 Franken auf www.brennerei-telser.com


