19.07.09 Er schmeckt nach Liechtenstein
Die Brennerei Telser präsentierte gestern in Triesen den ersten Liechtensteiner Whisky
Michael Winkler - Gestern wurde der erste original Liechtensteiner Whisky vorgestellt. Im Vorfeld wurde der "Telsington" bereits von Whisky-Experten gelobt, nun muss er auf dem Markt bestehen.
Herr Telser, wie kommt eine relativ kleine Brennerei aus Liechtenstein dazu Whisky zu produzieren?
Marcel Telser: Die Idee ist schon über 20 Jahre alt. Früher habe ich nicht gerne Whisky getrunken, bis ich in Schottland tiefer in die Szene hineinblicken konnte und wirklich guten Whisky bekommen habe. In den Folgejahren ging ich mindestens zwei Mal pro Jahr nach Schottland und konnte viele Destillerien kennenlernen. Ich habe versucht, von Brennmeistern zu erfahren, worauf es überhaupt ankommt, wenn man einen guten Whisky produzieren will.
Und da wurden Sie fündig?
In zahlreichen Gesprächen hat sich herauskristallisiert, dass es zum einen auf das Rohmaterial, sprich die Gerstenmischung und das Fass ankommt, in dem der Whisky drei Jahre lang gelagert werden muss. Zum anderen spielt aber auch die regionale Gegebenheit eine grosse Rolle: Das Klima, die Luft, die Landschaft und vieles andere. Da dachte ich mir: Alles, was ich für einen gelungenen Whisky brauche, habe ich zu Hause vor der Türe. Der Föhn, die saubere Luft, das gute Quellwasser im Triesner Oberdorf bilden eine hervorragende Ausgangslage für einen einzigartigen Whisky. Durch intensives Buchstudium und die Hilfe von einem fachkundigen Kollegen haben wir vor gut drei Jahren die erste Mischung eingemaischt, nach zehn Tagen dreifach destilliert und in einem hiesigen Pinot-Noir-Barrique-Fass gelagert, um dem Whisky zusätzlich einen lokalen Charakter
zu verleihen. Wir haben nicht kopiert und versucht, an einen anderen Whisky heranzukommen, sondern wollten bewusst einen einzigartigen Whisky erschaffen.
Wie fielen die ersten Kritiken aus?
Im Mai haben wir den Whisky aus dem Fass genommen und mit dem Triesner Wasser auf Trinkstärke heruntergesetzt. Dann haben wir uns eine Meinung von aussen eingeholt: Der Leiter von der Spirituosen-Akademie, Arthur Nägele, hat uns bescheinigt, dass der «Telsington» ein echter Whisky sei. Das ist ein grosses Lob. Immerhin arbeitet Nägele mit Jim Murray, der Koryphäe für Whisky schlechthin, zusammen. Vieles, was man gesetzlich in unseren Breitengraden als Whisky bezeichnet, kommt leider nur in die Nähe eines echten Whisky.
Deshalb ist er auch so teuer?
Um eines vorauszuschicken: Wir produzieren nicht, um reich zu werden. Wir sind dabei, die Brennerei in eine neue Generation zu führen und wollen den Betrieb so gestalten, dass wir kostendeckend arbeiten und noch Mittel haben, um Investitionen in den Fortbestand der Brennerei tätigen zu können. In diesem Projekt stecken mehrere Zehntausend Franken und wenn man bedenkt, dass wir nur etwa tausend Franken ins Marketing gesteckt haben, kann man sich in etwa vorstellen, wie viel Zeit und Arbeit mit der Produktion verbunden sind. Wenn man so klein ist wie wir, muss man im High-EndBereich arbeiten und das hat eben seinen Preis.
A Propos Marketing: Die Flasche ist sehr eindrücklich!
Auch hier wollten wir etwas unverwechselbares schaffen: Die Holz-Ummantelung ist einzigartig und von der Form her einer Betonflasche nachempfunden. Es kostete uns einige Mühe, jemanden zu finden, der uns die Flasche aus einem Stück Holz fertigen kann. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. So wird der «Telsington» im Regal nicht übersehen, weil nicht nur der Inhalt hochklassig ist, sondern auch die Verpackung etwas hermacht. Das ist auf dem heutigen Markt unerlässlich.
Jetzt hat Liechtenstein eigene Schokolade, eigenes Bier, eine Kaffeerösterei und eigenen Whisky. Warum wird Liechtenstein zur Genusshochburg?
Bis vor wenigen Jahren gab es auf dem kulinarischen Sektor aus Liechtenstein neben dem Wein, der international trotz teils sehr hohem Niveau übrigens auch keine Beachtung erlangte, nur noch die Vaduzer Weinbergschnecken. Viele Spezialitätengewerbe wurden nach den 1960er-Jahren nicht weiterverfolgt, gingen Pleite oder wurden aufgelöst, weil man bei einer Bank oder in der Industrie mehr Geld verdienen konnte. Vor einigen Jahrzehnten war es noch so, dass man etwas Besseres war, wenn der Vater in einem Büro gearbeitet hat. Das Handwerk geriet ziemlich in Vergessenheit, obwohl wir in vielen Betrieben auf höchsten Qualitätsstandards unterwegs sind. Warum sollte das also nicht auch im kulinarischen Bereich möglich sein? Die genannten Betriebe sind zwar im Gewerbe eingeordnet, aber was wir täglich verrichten, ist zu einem grossen Teil Handwerk und das wird bei uns mit höchster Qualität betrieben.
Also das Handwerk als positiver Imageträger in schwierigen Zeiten?
Der Ruf Liechtensteins im Ausland wurde durch den Datendiebstahl und die Steueraffäre arg strapaziert. Wenn man als Liechtensteiner Produkte im täglichen Leben hat, mit denen man sich identifizieren kann, ist das gut für die Menschen, die hier leben. Auch Menschen, die nach Liechtenstein kommen, haben so die Möglichkeit, ein Stück Liechtenstein nach aussen zu tragen und zu beweisen, dass es bei uns noch mehr gibt als Banken und Industrie.
PERSÖNLICH
Marcel Teiser, Jahrgang 1971 , stammt aus Triesen. Er wurde in die Brennerei Telser hineingeboren, in der mittlerweile 15 Menschen mithelfen . Der gelernte Jurist ist zu hundert Prozent im Treuhandwesen angestellt und investiert täglich mehrere Stunden seiner Freizeit in die Produktion und Weiterentwicklung der Brennerei und ihrer Produkte. Schon sein Grossonkel brannte im Jahr 1880 Schnäpse, primär jedoch zum Eigengebrauch auf dem Bauernhof. Im Lauf der Zeit entwickelte sich die Brennerei zu einer Produktionsstätte von qualitativ hochwertigen Destillaten aus allen erdenklichen Zutaten. Weitere Infos unter: www.brennerei-telser.com
Bild zeigt Marcel Telser: «In jeder Flasche steckt viel Arbeit und Liebe zum Detail.»
26.01.03 "Schnapsbrennen ist Handarbeit"
Thomas Lässer - Marcel Telser ist in der Brennerei Telser in Triesen eher im Hintergrund tätig. An der Front und an den Brennhäfen steht noch immer sein Vater Sebastian. Der Sohn hat die administrativen Aufgaben übernommen. Die Faszination «Schnapsbrennen» hat allerdings auch ihn schon lange erfasst. Die handwerklichen Tätigkeiten wie etwa das Abfüllen der Schnäpse sind für ihn ein willkommener Ausgleich zu seinem harten Job als Jurist in einem Treuhandunternehmen. Duft und Geschmack der eigenen Destillate erfüllen ihn mit Freude und Stolz. Doch obwohl er ständig mit Alkohol zu tun hat, trinkt er nur selten ein Gläschen. Zwischen seinem ersten und seinem zweiten Glas Schnaps lagen einst sogar rund zehn Jahre.
Auch längerfristig zeigte der zu frühe Kontakt mit dem Destillat seine Auswirkungen. So verstrichen nach diesem einschlägigen Erlebnis gut und gerne zehn Jahre, bis Marcel Telser wieder einen Schnaps probierte. Überhaupt habe er bis zum Alter von etwa 18 Jahren so gut wie keinen Alkohol getrunken. Und auch heute noch ist Alkohol für ihn keineswegs ein regelmässiges Genussmittel. «Ich trinke vielleicht einen Schnaps in der Woche. Das könnte dann aber auch ein Whisky sein», so Marcel Telser.
Auf der Suche nach «originären Sachen"
Am Whisky fasziniert und interessiert Marcel Telser neben den geschmacklichen Komponenten auch die Herstellung: «Ich bin in den letzten zehn Jahren etwa zweimal pro Jahr in Schottland gewesen.» Auf seinen Reisen sei er immer auf der Suche nach «originären Sachen wie kleinen Destillerien, kleinen Weinbauern oder Käsereien».
Die Entwicklung der schottischen Destillerien stimmt ihn jedöch nachdenklich. Es werde nun sehr viel mehr Wert auf die Vermarktung der Produkte gelegt. Zudem greife die «Gleichmacherei» um sich. Das Ziel der Destillerien sei es, dass die Produkte immer gleich schmeckten, was jedoch nicht in der Natur der Sache liege. «Das <urige> ist nur noch Fassade», fasst Marcel Telser zusammen.
Aus seinen Beobachtungen zieht er auch Schlüsse für die Brennerei Telser. Zum einen müsse man sich durchaus an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. «Wenn die Kunden Marc wollen, dann müssen wir Marc brennen», verdeutlicht er. Vermischt mit dem ständigen Wunsch, noch bessere Produkte herzustellen, die trotzdem noch die unverzichtbare Lokalfarbung aufweisen, ergibt sich eine recht komplexe Situation.
Um auch in Zukunft die Qualität hochzuhalten, wurde etwa ein neuer Brennhafen angeschafft. «Der ist wirklich <state of the art»>, freut sich Marcel Telser. Dennoch habe man auf den Einbau verschiedener technischer Hilfsmittel verzichtet. Den erwähnten idealen Zeitpunkt, um Vorlauf und Nachlauf vom wertvollen Mittellauf zu trennen, bestimmt bei der Brennerei Telser eben immer noch Vater Sebastian, und nicht die Elektronik. "Zudem sind wir eine der wenigen Brennereien, die noch mit Holz anfeuert und nicht mit Dampf", so Marcel Telser stolz.
All die Mühen wurden Ende des vergangenen Jahres mit einer hohen Auszeichnung belohnt. Der «Kirsch Reserve 1998» der Brennerei Telser wurde vom Schweizer Schnapsforum mit einer Goldmedaille sowie der Auszeichnung «Schnaps des Jahres» prämiert. Eine Bestätigung der Strategie, zumal wenn man bedenkt, dass es der erste Wettbewerb war, an dem die Brennerei überhaupt teilgenommen hat. Einen Wermutstropfen hat die Sache dennoch: «Zum Zeitpunkt der Prämierung hatten wir nur noch 38 Flaschen dieses Schnapses.» Der restliche Bestand der ohnehin kleinen Produktion hatte seine Abnehmer bereits gefunden.
Zwar will Marcel Telser die Brennerei «organisch wachsen» lassen, «gross werden wir allerdings nie», stellt er klar. Neben den qualitätstechnischen Punkten fehlt ihm dazu auch die Zeit. Davon stecke er auch jetzt schon sehr viel in die Brennerei. «Eine Flasche Schnaps benötigt vom Obstputzen bis zum Verkorken zirka eine Stunde» , rechnet Marcel Telser vor. «Schnapsbrennen ist Handarbeit.»
Der Jurist investiert die Zeit aber liebend gern in die Brennerei. Die handwerkliche Tätigkeit, die er zudem ohne Druck ausüben könne, sei ein idealer Ausgleich zu seinem manchmal stressgeladenen Job. «Ich liebe es, Schnaps abzufüllen. Die feinen Düfte!», schwärmt Marcel Telser. Und auch auf das Gefühl, den Schnaps vor dem Abfüllen zur Sicherheit noch einmal zu probieren und auf seine Qualität zu kontrollieren, wolle er nicht verzichten. «Zu schmecken, dass man etwas Tolles geschaffen hat, ist einfach wunderbar. »
Marcel Telser ist gerne der «Mann im Hintergrund». Und so befindet sich sein Arbeitsbereich in der Brennerei Telser in Triesen auch nicht im Erdgeschoss bei den beiden Brennhäfen, sondern einen Stock darüber. Im dortigen Raum, der von einer Dachschräge geprägt ist und in dem neben einigen Tischen und Kartons allerlei sonstige Arbeitsmittel herumstehen, zieht Marcel Telser sozusagen die logistischen und kaufmännischen Fäden. Er sorgt sich also um den reibungslosen Ablauf in der Brennerei. Während sein Vater Sebastian Telser unten die Brennhäfen bedient und mit all seiner Erfahrung den richtigen Zeitpunkt zum Abtrennen des Vorlaufes vom begehrten Mittellauf bestimmt, kümmert sich der Sohn zum Beispiel darum, dass genügend Flaschen und Korken vorrätig sind und natürlich um vieles mehr. «lch kann auch selbst brennen», so Marcel Telser, «aber ich mache das höchstens bei zwei bis drei Bränden im Jahr.» Die Arbeitsteilung habe sich zum einen bewährt, zum anderen würde es für den Juristen bei einem grossen Treuhandunternehmen den zeitlichen Rahmen sprengen, öfters am Brennhafen zu stehen.
Von klein auf in der Brennerei
In die Brennerei ist Marcel Telser nicht nur «hineingewachsen», er ist zu einem guten Teil auch darin aufgewachsen. Was nicht anders zu erwarten war, hat doch schon Marcel's Vater Sebastian Telser die Brennerei von seinem Vater übernommen. Und selbst damit ist die lange Geschichte der Brennerei noch nicht erzählt: «In dem Gebäude befindet sich seit sicher über 100 Jahren eine Brennerei», verdeutlicht Marcel Telser. Schon als Kind hat der heute 31-Jährige seinem Vater geholfen. Er hat Schnaps abgefüllt, Korken zu den Orten getragen, wo sie gerade benötigt wurden und mit der Zeit immer mehr administrative Aufgaben übernommen. Freilich ist Marcel Telser auch vor der kindlichen Neugierde erfasst worden: «Als meine Eltern einmal nicht zu Hause waren, haben ein Freund und ich heimlich unseren ersten Schnaps probiert. Ich war damals etwa sieben Jahre alt», erinnert sich Marcel Telser. Die unmittelbare Folge des Experiments: «Wir waren beide ratzedicht.»
Steckbrief
Name: Marcel Telser
Alter: 31
Wohnort: Triesen
Familienstand: «im Konkubinat»
Beruf: Jurist
Lieblingsessen: ein ausgezeichnetes Stück Fleisch von einem Bauern, der sein Handwerk beherrscht
Lieblingsgetränk: «Ächta Tresner». Blauburgunder
Lieblingsmusik: Pink Floyd, Dire Straits
Hobbys: etwas mit Freunden unternehmen
06.12.98 Im Rampenlicht
Joachim Batliner - Er ist der einzige "Lohnbrenner" Liechtensteins, aber bestimmt nicht der letzte: Sebastian Telser, "dr Waschtl", ist überzeugt, dass jemand sein Geschäft einmal übernehmen wird, wenn er selbst nicht mehr brennen mag. Im Moment aber sieht es noch nicht danach aus. Morgens früh um sechs brennt es schon in den beiden Schnapshäfen. Und das Feuer erlischt nicht mehr bis abends um zehn. Schnapsbrennen braucht seine Zeit. Wer zu schnell brennt, mit zuviel Druck, der verbrennt den Schnaps - das Resultat ist ein scharfer Schnaps, der im Mund und auf der Brust brennt, ohne aber viel Alkohol zu haben. Im Unterschied dazu ist der Schnaps eines geduldigen Brenners auch noch mild, wenn er zu den ganz Hochprozentigen gehört.
"Dr Waschtl" ist nicht pressiert. Der Lohnbrenner wird zwar pro gebrannten Liter bezahlt, aber die Qualität und die Zufriedenheit seiner Kunden ist ihm wichtiger als der grosse Umsatz. "I bin lang gnua Totengräber gwesn, und hob kan gesehn, der sei Geld in am Paket mitgnummen hat. Des bissei Leben was ma hat - do muass net bloss dem Geld drnolaafen." Und so steht er von Anfang November bis Ende Februar in seiner Brennerei gleich hinter seinem Haus; im Laufe des Winters brennt er rund 3000 Liter Schnaps, den grössten Teil davon für seine Kunden. Täglich kommen sie und bringen ihre Fässer mit dem Eingegenschlagenen zu ihm. "Schreib nur, die Leut sollen a bissel mehr aufpassen und mir guate War bringen. Wenn das net gnua versusert is, gibt's net gnua Schnaps." Die eingeschlagenen Früchte sollten Temperaturen über 17°C gelagert werden, dann kann sich der Zucker in zirka zwei Wochen in Alkohol verwandeln. "Der Zucker nutzt miar nix." Und die Fässer müssen vor dem Einschlagen sehr sorgfältig gereinigt werden. "Von Essig gibt's a kon Schnaps." Das Problem mit dem Essigstich im Schnaps sei zwar nicht mehr so gross, seit man vor allem Kunststoffässer verwendet.
Das Eingeschlagene wird im Brennkessel oder Schnapshafen gekocht. Beim trockenen Trester, der mit Gärhefe vergärt, muss erst noch viel Wasser untergemischt werden. Ein leicht trübes Alkohol/Wassergemisch tropft aus dem Destillierrohr. Dieser erste Brand wird noch ein zweites Mal gebrannt. Gefiltert, gemessen, abgefüllt - der Schnaps ist fertig. Der klare Schnaps in einer sauberen Flasche ... aufs Trinken ist Waschtl nicht so versessen. Seit bald dreissig Jahren steht er Winter für Winter neben den Schnapshäfen - und hat seit dreissig Jahren keinen Schnaps an den Arbeitstagen getrunken. "Das Schönste ist es, wenn ein klarer Schnaps in einer sauberen Flasche drin ist... " Was die Qualitätsprüfung anbelangt, so kann er sich auf seine Nase verlassen: Er hält ein paar Tropfen Schnaps unter die Nase, taucht das Glas ganz kurz in einen Bottich mit warmen Wasser - noch einmal dran riechen. Und er weiss genau, wann der Vorlauf vorbei ist und wann der gute Schnaps kommt. Der Vorlauf ist der erste Teil eines Brandes, er ist zwar sehr alkoholhaltig, aber zu scharf und nicht sehr aromatisch, er wird deshalb weggeschüttet.
Wenn der Schnaps gebrannt ist, geht Wascht! auf Holzsuche. Er braucht jedes Jahr 6 Kubikmeter Holz. Nach dem Holzen ist es wieder Zeit, auf die Alp zu gehen, im Herbst wird gemostet und gekeltert (dieses Jahr war allerdings sein letztes "Mostereijahr"), und dann beginnt wieder die Arbeit in der Brennerei - schon seit Jahren bestimmen diese Arbeiten das Leben des Südtirolers, der Mitte der 60er Jahre nach Liechtenstein gekommen ist. Vor seinem Haus rennen Hühner umher, im Stall steht eine Kuh, die sich nicht an EU-Normen hält und bloss zehn Liter Milch gibt - das ist ihm mehr als genug, manchmal mästet er über den Sommer ein Alpschwein. Seine Tage und Jahre vergehen im immergleichen Rhythmus. Und er geniesst diesen Takt, in welchem er sich frei fühlt. Noch nie war er in den Ferien, aber im nächsten Jahr, wenn er pensioniert wird, will er sich mal bei den Brennern in Schottland umsehen. Sein ganzes Gesicht beginnt zu lachen. Und wenn ich ihn so anschaue, kann ich mir denken, dass es ihm bei den Schotten ganz gut gefallen wird.
Wascht! will sich nicht aufs Altenteil verlegen, er denkt nicht an seine Pensionierung und will noch so lange brennen, wie er mag.
Faktbox
Name: Sebastian Telser
Alter: 64 Jahre
Wo wohnen Sie, wie wohnen Sie?
In einem alten Bauernhaus im Triesner Oberdorf
Stellen Sie bitte Ihre Familie vor.
Ich bin mit Marie verheiratet, wir haben einen Sohn.
Welches ist Ihre Lieblingssendung im TV?
Ich sehe nicht oft fern. Am liebsten schaue ich mir Tierfilme an.
Welche Zeitungen lesen Sie?
Die liechtensteinischen Zeitungen. Die LIEWO habe ich allerdings lange Zeit nicht gelesen, da stand nur Blödsinn drin.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Ich lese keine Bücher. Manchmal lese ich etwas in meinem Handbuch für Schnapsbrenner.
Waren Sie schon einmal in den Ferien?
Nein. Aber im kommenden Frühling gehe ich zum ersten Mal in die Ferien.
Und wohin?
Nach Schottland. Ich werde mir dort die Destillerien ansehen.
Haben Sie eine schlechte Angewohnheit, ein Laster?
Ich weiss nicht, ich glaub' nicht. Meine Frau sagt, wenn der Waschtl im Frühling nicht Holzen kann, dann ist er krank.
Bildkommentar: Der Schnaps ist fertig. Die Korbflaschen sind verkorkt. Wer sich jetzt noch ein paar Jahre zurückhalten kann, der erhält ruhigeren und feineren Schnaps


