28.01.04 24h in Vaduz: Wein, Kunst, Sushi

 

Christian Walther -  ...Unverzichtbare Tipps für den Aufenthalt in Vaduz wird man hier wohl nicht kriegen, denke ich und bin umso überraschter, als ein Pärchen um die dreissig doch noch einen Vorschlag macht: Sie schicken mich zu einem Schnapsbrenner in die Berge. 

"Den Wastl suchst du? Geradeaus und dann zweimal rechts." Dank einer Runde Bier trinkender Männer in einem Wirtshaus treffe ich Sebastian Telser, den hier alle Wasl nennen, vor seinem Haus beim Nachmittagsschwatz. Seine Kleidung lässt auf Tiroler Herkunft schliessen. Und tatsächlich ist er kein Liechtensteiner, aber da ist er nicht der Einzige; viele Ausländer haben ihren Wohnsitz ins Fürstentum verlegt, einige davon aus unlauteren Gründen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Seit 34 Jahren schon brennt Sebastian Telser erlesene Schnäpse in seinem kleinen Bauernhaus. Und seit zwei Jahren ist er eine lokale Berühmtheit. 2002 hat Telser nämlich fünf Goldmedaillen für Kirsch und Mare gewonnen. Er brennt also offiziell den besten Schnaps der Schweiz. Und das als Liechtensteiner aus dem Südtirol. Selbstverständlich will Telser nicht nur

Herstellungsprozess erklären, sondern auch seine gebrannten Wasser zum Probieren geben. Er bittet in seine gemütliche Stube und versetzt mich damit in eine andere Welt: dunkles Holz, ein alter Kachelofen und ein Gläschen Trinkbranntwein für den Gast aus der Schweiz.

 

Wastls Sohn bringt mich zurück ins Tal und meint, ich müsse arn Abend unbedingt

im Hubraum vorbeischauen. Das ist eine Bar, das weiss ich bereits, denn alle, die man fragt, sagen, man solle später noch ins Hubraum...