16.08.05 Der Banker als Brenner

 

Hansjürg Zehnder - Wo gibt's das: Ein Banker, der abends nach Feierabend herrliche Schnäpse brennt? Doch, diesen Mann gibt es tatsächlich. Er lebt im liechtensteinischen Triesen und heisst Marcel Telser. Zusammen mit seinem Vater führt er eine kleine, aber feine Lohn-und Gewerbebrennerei. Tagsüber beschäftigt sich ~ Sohn Marcel mit Fragen der Geldwäschereibekämpfung und Qualitätssicherung in einer Bank und Vater Sebastian brennt im Lohn. Abends und an den Wochenenden beschäftigen sich die bei den mit feineren Sachen: Sortenreine Destillate aus Äpfeln, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Trauben. Nein, Zucker wird prinzipiell keiner zugegeben. Die Destillate sollen genau so sein, wie es die Natur zulässt. Umso mehr wird Wert auf reife und gesunde Rohstoffe gelegt. Zucker kommt nur in die beiden Liköre, deren Rezepte Mutter Telser nicht verraten will: Marie's Nosslikör und den Wintertraum für kalte Tage.

Landwirtschaft und Fabrikarbeit

Auf dem Anwesen der Telsers liegt seit 1880 eine Brennkozession. Schon Urgrossonkel und Grossvater haben den eigenen Früchtesegen und jenen der Nachbarn in Alkohol umgewandelt. Anfänglich gab es neben der Brennerei eine kleine SelbstversorgerLandwirtschaft. Dann wurden im Rheintal die ersten Fabriken gebaut. Dort gab es Arbeit und einen regelmässigen Verdienst. Auch Vater Sebastian arbeitete anfänglich noch in einer Fabrik. Doch dieses Leben gefiel im wenig und so ging er während 30 Jahren jeden Sommer mit dem Vieh auf die Alp und brannte im Winter Schnaps. Eine knappe, aber ausreichende Existenz. Mit Sohn Marcel änderte sich das. Marcel Telser studierte an der Universität Fribourg Jurisprudenz, erwarb den Titel eines lic. iur. und arbeitet heute bei einer liechtensteinischen Bank. Aber egal ob

die Telsers in der Landwirtschaft, in der Fabrik oder auf einer Bank arbeiteten, gebrannt wurde immer. Kürzlich wurde die Brennerei renoviert. Es entstanden helle, grosszügige Arbeits-und Lagerräume. Aus dem ehemaligen Stall wurde ein Verkaufsladen mit Degustationsecke. Einmal im Jahr findet in der Brennerei ein Treberwurstessen mit eingeladenen Gästen statt. Als das Essen zum ersten Mal stattfand, mussten viele Leute unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil der hinterste Platz bereits besetzt war. Seither werden für den Anlass nur noch gezielt Einladungen verschickt. Man will ja Freunde und Kunden nicht verärgern.

Traubentrester ist nicht Traubentrester

Alle Destillate und Liköre können im Betriebsladen gekauft und degustiert werden. Telsers Produkte kann man auch über das Internet oder telefonisch bestellen. Eine kleine Auswahl findet man in einigen ausgesuchten Fachgeschäften in der Region. Telsers Angebot ist limitiert und ein Produkt kann rasch ausverkauft sein. Geöffnet ist der Laden während den Geschäftszeiten. Am Samstag ist ab 12 Uhr geschlossen.

Der Hauptrohstoff, den die Telsers verarbeiten ist der Traubentreber. Dieser kommt hauptsächlich aus der Bündner Herrschaft, aber auch von Sargans und Walenstadt. Marcel Telser staunt immer wieder, wie unterschiedlich diese Destillate riechen und schmecken. Blauburgundertrester von Walenstadt oder solcher von Maienfeld ergeben ganz unterschiedliche Destillate. Die Kirschen rur den Kirsch stammen aus dem Baselbiet und der Innerschweiz. Letztes Jahr hat Telser eine Innerschweizer-und eine Baselbieter Assemblage gebrannt. Sie unterscheiden sich deutlich. Solche Experimente liebt Marcel Telser. Neues brennt er gerne nachts, wenn ihn niemand dabei stört. An der letzten Prämierung des Schweizer Schnaps Forums hat er zum zweiten Mal den Titel eines "Schnaps des Jahres" errungen. Beim ersten Mal war es ein Kirsch. Diesmal war es ein sortenreiner Birnenbrand. Aber auch seine andern Produkte wurden von den Prüfern jeweils gut bewert

Verkauf

Alle Destillate und Liköre können im Betriebsladen gekauft und degustiert werden. Telsers Produkte kann man auch über das Internet oder telefonisch bestellen. Eine kleine Auswahl findet man in einigen ausgesuchten Fachgeschäften in der Region. Telsers Angebot ist limitiert und ein Produkt kann rasch ausverkauft sein. Geöffnet ist der Laden während den Geschäftszeiten. Am Samstag ist ab 12 Uhr geschlossen.

 

 

Geschichte der Brennerei Telser 1880-2005

 

Im unter Denkmalschutz gestellten Haus Nr. 67, vormals Nr. 48 an der Dorfstrasse im historischen Kern von Triesen werden seit 1880 Destillate produziert. Sie feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum.

Bis zum Ende der Zwanzigerjahre bestand nur ein einziger, kleiner Hafen, der in der Küche im Wohnbereich aufgestellt war. Daneben wurde das zur Befeuerung notwendige Holz gelagert. Die Brennerei wurde damals durch Wilhelm Frommelt betrieben, der 1934 verstarb. 

Im Jahre 1928 wurde die Liegenschaft durch Josef Frommelt erworben, der damit auch die Brennerei übernahm und bis zu seinem Tod im Jahr 1969 weiterbetrieb.

Er verlegte den Brennhafen von der Küche in das Torkelgebäude, in welchem seit 1934 auch eine hydraulisch betriebene Mosterei geführt wird.

 

Nach Abschluss der Mostereisaison im November wurde begonnen, für die damals noch ausschliesslich in der Landwirtschaft tätigen Kunden Schnaps zu brennen. Die Verhältnisse waren einfach, die produzierte Menge ist mit heute nicht zu vergleichen. Dem in der Landwirtschaft tätig gewesenen Josef Frommelt ist es zu verdanken, dass die winzige Brennerei die durch den Aufschwung des Finanzdienstleistungsplatzes und der Industrialisierung hervorgerufenen Boomjahre unbehelligt überlebte. Im Laufe der Zeit war ein zweiter Brennkessel erforderlich. Im Jahre 1961 kaufte er eine neue Wasserbadbrennerei von der Firma Jakober in Glarus. 

 

Nach seinem Tode übernahm sein Schwiegersohn und jetziger Inhaber Sebastian Telser "Waschti" die Mosterei und Brennerei. Ihm ist es zu verdanken, dass die Brennerei das explodierende Wirtschaftswachstum der kommenden drei Jahrzehnte überlebte. Nicht selten musste nach zwei Schichten in der Fabrik nach Feierabend noch in der Brennerei weitergearbeitet werden. Ihm ist es bis heute das engste Anliegen, die Qualität von Bränden stetig zu verbessern. Diese Einstellung blieb nicht ohne Erfolg: Regelmässige Goldmedaillen und eine sich ständig vergrössernde, eingeschworene Stammkundschaft aus nah und fern sind seine Lorbeeren. Bereits mancher italienische Edel-Grappaproduzent kommt bei Blindvergleichen mit Marc der Marke Telser aus Liechtenstein ins Schwitzen.

 

Um dem steigenden Bedarf im Bereich der Lohnbrennerei nachkommen zu können, mussten laufend weitere Investitionen getätigt werden. 1985 wurde eine neue Wasserbadbrennerei von der Firma Christian Carl, Göppingen übernommen und im Sommer 2002 durch eine technologisch den höchsten Ansprüchen genügende Anlage von der Firma Holstein im deutschen Markdorf ergänzt. Die Kombination dieser beiden Anlagen erlaubt uns heute, den hohen Qualitätsbedürfnissen unserer Kunden bestmöglichst nachzukommen. Aber die Einrichtung ist nur ein kleiner Teil eines ausgezeichneten Destillates. Noch viel wichtiger ist das Können und die Erfahrung des Brennmeisters. Überhaupt, wenn man den Schnaps noch über einem Holzfeuer brennt, das absolutes Fingerspitzengefühl bei der Dosierung und der Auswahl des jeweils nötigen Holzstückes erfordert.

Der Betrieb

Die Brennerei Telser ist die einzige Brennerei mit einer Lohnbrenner-Konzession im Fürstentum Liechtenstein und hat einen beeindruckenden Kundenstamm: Die qualitätsbewussten Produzenten kommen nicht nur aus Liechtenstein, sondern scheuen mittlerweile auch weite Anlieferungswege nicht, um ihre Rohstoffe in der Brennerei Telser destillieren zu lassen . Vom Bodenseegebiet her, aus der Bündner Herrschaft bis aus dem aargauischen Fricktal kommen sie.

 

Im Familienbetrieb, bestehend aus Sebastian, Maria und Marcel Telser sowie einigen fleissigen Helfern werden aus den Rohstoffen auf traditionelle Art besondere Destillate hergestellt. Dabei kann den Wünschen der Kunden vielfach Rechnung getragen werden. Ob einfache oder die klassische zweifache Destillation, der Brennauftraggeber hat die Wahl. Rohmaterial, das den Qualitätskriterien nicht entspricht, wird nicht gebrannt und der Kunde auf die Mängel hingewiesen. Eine umfassende Kundenberatung gehört zum Leistungsprofil der Brennerei Telser, ebenso wie ein modernes Qualitätsmanagement.

Die Eigenproduktion wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte laufend ausgebaut. Heute produziert die Brennerei Telser etwa 1/3 der jährlichen Gesamtproduktion für sich selbst. Dabei werden ausschliesslich allerbeste Rohstoffe verwendet, oftmals in der offiziellen ,,Tafelqualität" . Danach wird die Maische behutsam und ungewöhnlich aufwendig vorbereitet.

 

Chemische Hilfsmittel, ausser einer Gärhefe, sucht man in der Brennerei Telser vergebens. "Die Natur belohnt jeden, der sich für sie interessiert. Wer natürliche Prozesse eingehend beobachtet, lernt mehr, als in Büchern derzeit zu lesen ist. Manchmal ist es sogar ein Vorteil, kein Chemiker zu sein, denn man kann sich unvoreingenommen an ein Interessengebiet annähern. Man braucht nur Geduld und manchmal auch Mut. Ich habe über die Brennerei meine Einstellung zur klassischen Wissenschaft relativiert. Es gibt ganz klar derzeit noch nicht messbare Faktoren, die massiv in ihren Wirkungen unterschätzt werden. Man muss einen ganzheitlichen Ansatz wählen, um den Geheimnissen in der Schnapsbrennerei auf die Schliche zu kommen." meint Marcel Telser. Vor diesem Hintergrund fällt beim Rundgang durch die Brennerei auf, dass in der modernen Zeit angepassten Brennerei nach wie vor über einem Holzfeuer Schnaps gebrannt wird. Das ist nicht auf nostalgische Träumerei zurückzuführen, sondern bewusst so beibehalten worden. "Sicherlich wäre eine moderne Befeuerung mit Gas, Öl oder weniger arbeitsintensiv und viel bequemer. Wir sind aber der Überzeugung, dass beim richtigen Umgang mit einer Holzbefeuerung weit mehr im Stande sind, aus einem Destillat herauszuholen, als mit einer auf das Grad genauen Steuerung von modernen Befeuerungen. Man muss sich nur auskennen/ welches Holz welche Art von Wärme gibt. Die Hitze selbst kann man auch mit Holz relativ fein Steuern."

 

Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf werden in jedem Fall manuell und sensorisch voneinander getrennt. Der Nachlauf wird bei grösseren Mengen noch einmal gebrannt Vorlauf in jedem Fall nicht mehr weiterverwendet. Danach wird das Destillat mit auf die Herabsetzung optimiertem Wasser auf Trinkstärke reduziert. IIAlkohol und Wasser verbinden sich nur zäh und langsam - und nie ganz vollständig. Nachdem neben Alkohol in der Regel gut 50% Wasser in einem trinkbaren Destillat sind, wäre es ein Fehler, beim Wasser nicht dieselbe Sorgfalt an den Tag zu legen, als wie bei der Alkoholgewinnung. Hier kann man noch einmal einiges herausholen, was sich dann auch wieder im Aroma niederschlägt."

 

Die Eigenproduktion der Brennerei Telser ist vielfältig. So werden diverse Destillate produziert: sortenreiner Marc und Cuvés, Kirsch, Williams und diverse lokale Hochstammsorten, Gravensteiner, Golden Delicious, Kräuter, Zwetschgen, Enzian und diverse andere. Die Lagerung erfolgt in Glasballons oder oftmals auch im Eichenfass. Die Flasche und Verpackung ist schlicht und einfach aber sehr elegant.

Der Vertrieb der Produkte erfolgt über das Verkaufslokal der Brennerei und über renommierte Fachgeschäfte in Liechtenstein. Die Destillate finden von sich den Weg in die weite Welt. Destillate der Brennerei Telser wurden bereits auf allen Kontinenten gesicht

Anlässe

Die historischen. in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz renovierten Räumlichkeiten der Brennerei Telser eignen sich hervorragend für kleine und mittlere Anlässe. Das Programm kann sehr individuell ausgehandelt werden.

Jedes Jahr Ende November / Anfangs Dezember findet das "Grosse Treberwurstessen" statt. Es handelt sich bei der im Brennhafen auf Trester gar gemachten Wurst jedoch nicht um eine Saucisson, sondern um eine eigens für diesen Anlass hergestellte und auf Dünstung auf Blauburgundertrester optimierte Fleischspezialität. Es finden sich an diesem sehr beliebten Anlass neben den Kunden und Freunde der Brennerei Telser sogar auch vereinzelte Vegetarier, die "für einen Tag frei machen". Anlässlich des Treberwurstessens können selbstverständlich auch sämtliche Destillate verköstigt werden.

125-jähriges Jubiläum

Zum 125. Jubiläum der Brennerei Telser wird ein Festanlass durchgeführt. Anlässlich dieses wird die sorgfältig renovierte Brennerei samt Umschwung und dem neuen Degustations- und Verkaufslokal im historischen Triesner Oberdorf einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Daneben wird zu diesem Jubiläum ein ganz besonderes Destillat auf den Markt gebracht, der "Weinbrand - Cru Exeptionel Pour Amis", ein einmaliges, im Eichenfass gereiftes Destillat, gebrannt aus besten französischen Weinen namhaftester Produzenten aus den Jahrgängen 1971-85.