18.07.09 Langer Weg zum "Telsington"
Barbara Jehle - Ist Liechtenstein eine Whisky-Nation? Es ist auf jeden Fall nach einer tückenreichen Entwicklungsphase auf bestem Weg dazu: Die Brennerei Telser möchte mit ihrem heute lancierten «Telsington» eine nationale Identität schaffen.
Triesen. - Marcel Telser bereiste Schottland und degustierte dort -wie es für einen Schnapsbrenner unvermeidlich ist -das breite Whiskysortiment. Ihm wurde klar: «So etwas müssen wir auch probieren.» Der Jungschnapsbrennmeister, der zuvor kaum Whisky getrunken hatte, besuchte beinahe jede Destillerie in seiner Feriendestination.
Ein simples Geheimnis
Bis die Schnapsbrennerei Telser - sprich Marcel und sein Vater Sebastian - mit der Produktion loslegen konnte, gingen Jahre ins Land, weil Marcel auf ungeahnte Schwierigkeiten stiess. «Niemand wollte mit der Rezeptur rausrücken. Ich musste daher fragen, fragen, fragen und selbst pröbeln.» Zudem hat Telser «jedes Buch gekauft, das über Schnaps oder Whisky erhältlich ist».
Die Antwort auf die wichtigste Qualitätsformel klingt dann unerwartet einfach: «Gutes Quellwasser ist das Geheimnis.» Das gibt es bei Telsers in Triesen ohnehin und ist schon seit 1880 das Gütemerkmal der Destillerie. Nicht zu unterschätzen sei
aber auch ein prägnantes Klima und gute Gerste -die richtige Mischung von verschiedenen Sorten hat Telser wiederum Jahre beschäftigt: «Das Klima bildet die Basis der regionalen Erkennbarkeit: Man hat Bilder von Schottland im Kopf, wenn man schottischen Whisky trinkt.»
Whisky im Weinfass
Einfach den schottischen Whisky zu kopieren, der Bilder mit wilden Landschaften, viel Feuchtigkeit und milden Wintern kreiert, hätte dem Jungbrennmeister aber nicht gereicht. Er wollte einen Whisky, der die klimatischen Bedingungen des Rheintals widerspiegelt: «Wir haben hier Föhn, teilweise warme Sommer und kalte Winter - das soll man durch das entsprechende Korn in unserem Whisky <Telsington> schmecken.»
Neben der Gerste gibt ein für Pinot Noir - der im Rheintal am Weitesten verbreitete Wein - benutztes Fass dem Liechtensteiner Whisky eine regionale Note. Darin wurde der von Sebastian Telser dreifach gebrannte "Gerstensaft" für drei Jahre gelagert. Wichtig war den beiden Brennmeistern aber immer, nicht zu exotisch zu produzieren.
«Der Geschmack der Region»
Der an sich klare «gebrannte Saft» erhielt durch die Lagerung den gewünschten, erkennbaren Gout und die typisch braune Whiskyfarbe. Die ganze Mischung soll aber vor allem nach Whisky schmecken: Die Telsington-Linie soll in Zukunft beibehalten werden. Experimente oder Variationen gibt es nicht, denn Telsers haben Grosses mit dem neuen Produkt vor: «Wir wollen eine lokale Identität schaffen. Der Whisky schmeckt nach der Region und die Menschen sollen sich mit dem Produkt identifizieren».
Mit Schnaps sei die Schaffung einer Identität nicht möglich, weil es so viele verschiedene gebe. Zudem lägen inländische Fruchtbrände nicht mehr so im Trend. Diese Beobachtung bestätigen auch Alkoholstatistiken für die Schweiz, wonach helvetischer Schnaps immer mehr Marktanteile an ausländische Wodkas, Whiskys und Rum verliert.
Schnapsbranche wachgeküsst
«Die Branche in der Schweiz lag lange im Dornröschenschlaf», konstatiert Marcel Telser diesen Fakt. Die Brennerfamilie hätte die Zeichen der Zeit aber schon 1997 erkannt und konsequent auf höchste Qualität gesetzt, «die hat sicher weiterhin Zukunft». Die Opfer seien Durchschnittsdestillate, «die lieblos aufgemacht und schlecht vermarktet sind». Dass aus Triesen beste Ware kommt, wurde schon mehrfach bewiesen, wie Marcel Telser sagt: «Wir haben bald kein Destillat mehr im Regal, das nicht mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.» Telsers möchten nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen undWhiskyliebhaber und Destillat - Connaisseure gleichermassen ansprechen. Preislich kann das Produkt mit den industriell gefertigten schottischen Whiskys nicht mithalten, Geniesser waren bislang aber auch bereit, für handgefertigten, guten regionalen Schnaps, mehr zu zahlen. Dass auch der Telsington schweizweit ein Produkt wird, das Massstäbe setzt, können Telsers nicht zuletzt durch die gute Kritik von Arthur Nägele, dem Leiter der sogenannten «Spirituosen-Akademie» in Vorarlberg, hoffen: «Er gab uns das Gütesiegel <Ausgezeichnet>, erzählt Sebastian Telser stolz.
Kategorie "leider nein"
Die Verpackung ebenso anspruchsvoll zu gestalten wie den «Brand» war für die Brennmeister eine grosse Herausforderung. Im Hause Telser wurde einige Monate selbst getüftelt und designt: Die Ideen haben sich dann aber alle als preislich oder praktisch nicht realisierbar herausgestellt. Telsers präsentieren gern ihre Prototypen der Kategorie «Leider nein» wie beispielsweise die betonierte Whiskyflasche, über die sie selbst schmunzeln: «Die ist so schwer, dass ein Glasregal glatt durchbrechen würde, wenn man sie draufstellt. Wenn sie jemandem auf die Zehen kracht, hätten wir echt ein Problem», meint Marcel Telser.
Grosse Whiskypremiere
Ihre endgültige Hülle haben die vor einigen Wochen abgefüllten 500 Halbliterflaschen nach langem Irrweg nun in rechteckigen, dunklen Holzmänteln gefunden, die von einer Triesner Schreinerei gefertigt und in der Brennerei von Hand «assembliert» werden. Nun warten die Familie Telser und ihre Helfer gespannt auf den grossen Realitätstest an der heutigen Whiskypremiere am Ort der Entstehung, die mit einem grossen Grillfest gefeiert wird. Gespannt ist man auch, was der bekannteste Whiskyfachmann der Welt, Jim Murray, in seiner «Whisky-Bibel», die bald neu herauskommt, über den «Telsington» zu sagen hat.
Vielleicht wird Whisky auch bald zum gefragten Exportprodukt, schliesslich wird auch Liechtensteiner Schnaps und Wodka weltweit getrunken, wie SebastianTelser stolz erklärt: «Sogar nach Russland haben wir kürzlich einige Flaschen Wodka versandt.» Prognosen möchte er aber keine wagen: «Versteh einer die Geschmäcker der Leute! Mal ist das gefragt, dann was ganz anderes: Wir warten ab und sehen dann weiter.»


